Firmung 2010 Nachbetrachtung
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Firmvorbereitung - Leben aus Geist, aber im Korsett des Alltags
Ca. 54 junge Leute zwischen 13 und 21 haben sich zur Firmvorbereitung angemeldet. Letztlich waren es bei der Firmung am 14.11.2010 in St. Pankratius rund 49 Firmanden. Sehr froh bin ich über das Engagement der Firmkatecheten, die sich in der Gruppenstunde, bei den Wochenenden, oder im Mitplanen und Mitdenken auswirken. An dieser Stelle ein "Herzliches Dankeschön"!
Neben zwei Firmsonntagen für alle Firmanden gab es zwei verpflichtende Glaubensbausteine, die jeder Firmand besuchen sollte. Der Glaubensbaustein diente vor allem dazu die Feier des Glaubens im Gottesdienst erlebbar zu machen und zu spüren, daß man nicht allein ist als junger Mensch, der den Glauben leben möchte.
Darüberhinaus mußten sich die Firmanden für einen der drei Wege zur Firmung entscheiden:
1. Wöchentliche Gruppenstunden
2. Zwei Wochenenden
3. Firmpraktikum von mehreren Tagen
Schon zu Beginn der Firmvorbereitung spürte ich sehr, daß nicht wenige Jugendliche heute eingespannt sind in zahlreiche schulische, private, vereinsmäßige und andere Verpflichtungen. Dieser Realität Rechnung zu tragen war das Ziel dieser drei Wege, was insgesamt gut gelungen ist.
Die Firmanden wurden nicht mehr nur über Briefe informiert, sondern über die Emailadresse firmdich@web.de. So fand ein reger Austausch statt, wenn es auch für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig war.
Eine eigene Domain für die Firmvorbereitung gibt es inzwischen auch: firmdich.de. Dazu habe ich den Firmanden geschrieben:
"Die Domain "firmdich.de" meint nicht: Der Firmand kann sich auch selbst firmen!
Die Domain meint natürlich: Nur wer firm ist, kann sich firmen lassen!
"Firm sein" bedeutet: kundig sein.
Dazu gehört mehr als nur nötiges Wissen über Gott, Jesus, den Glauben und die Kirche anzusammeln. Dazu gehört vor allem: klar sehen, wissen, durchblicken, überschauen, durchschauen, erfahren sein in Lebensfragen, Gotteserfahrungen im Gebet machen und bekannt sein mit Menschen aus einer Kirchengemeinde. "Firm zu werden" soll Spaß machen!
Allerdings hängt es von jedem einzelnen Firmanden ab, ob der Spaßfaktor 10% oder 100% ist.
Nur wer sich persönlich einbringt, hat Spaß und wird firm.
Daher schafft die Firmvorbereitung die Voraussetzungen für den Empfang der Firmung durch den Bischof. Die Firmanden erarbeiten sich mit den Firmkatecheten und den Seelsorgern den erforderlichen Hintergrund, um "firm" zu sein in Fragen des Glaubens und Lebens zum Zeitpunkt der Firmung und hoffentlich darüber hinaus."
Immer wieder stellen Jugendliche die Frage: "Wozu soll ich mich firmen lassen?" Nicht selten wissen Gläubige auch keine schnelle Antwort. Ich könnte hier nun die theologischen Grundlagen der Firmung als Sakrament und seine Bedeutung im Hinblick auf die Taufe entfalten. Durch die Geschichte des Firmsakramentes hindurch könnte man erkennen, wie unterschiedlich sich die Sendung des Hl. Geistes manifestiert hat und wie der einzelne Gläubige zum Firmsakrament stand.
Allerdings ist dies heute - obwohl korrekt - nicht zielführend. Wenn ein junger Mensch heute nach der Sinnhaftigkeit der Firmung fragt, wird man ihn nicht alleinlassen können mit theologischen Begrifflichkeiten oder mit Bedeutungen, die für das Leben heute nicht viel bieten.
Die Entscheidung zur Firmung läßt sich daher heute zunächst vor allem verstehen als selbst gewählten Wendepunkt im jugendlichen Leben, in dem der Firmand bereit wird in Verantwortung vor Gott verantwortlich im Leben zu handeln und so bewußt auf das Erwachsensein zugehen kann. Damit dies gelingt, wird er sich einlassen auf die von Gottes Geist geschenkten Gaben, die ihn sein Leben begleiten können und die der Bischof bei der Firmfeier spendet.
Die Gaben des Hl. Geistes - und mögliche "Übersetzungen" (entnommen:firmung.at)
Weisheit
· Erkennen, was richtig ist für mein Leben - und es auch tun.
· Auch "Hintergründiges" erkennen.
Erkenntnis
· Die guten Seiten im Leben und in den Mitmenschen erkennen.
· Merken, worauf es im Leben letztlich wirklich ankommt.
Einsicht
· Einsehen haben, den anderen verstehen.
· Wichtiges von Unwichtigem, Richtiges von Falschem, Gut von Böse unterscheiden
können.
Rat
· Schwierige und lebenswichtige Entscheidungen erfolgreich treffen können.
· Guten Rat bekommen und annehmen.
Stärke
· Den Mut haben, einmal gegen den Strom zu schwimmen - nicht immer tun, was
die anderen tun.
· Ausdauer und Konsequenz haben für meine Aufgaben.
Frömmigkeit
· Mir bewusst sein, dass Gott mir in meinem Leben nahe ist.
· Dankbar sein für das, was mir im Leben geschenkt ist.
Gottesfurcht
· Nicht vor allem im Leben Angst haben - Gott und dem Leben vertrauen.
· Ehrfurcht haben vor Gott, den Menschen und der Schöpfung.
So gehören eben die eigene Entscheidung zur Firmvorbereitung, die bewußte Beschäftigung mit dem eigenen Glauben und Leben, die Bereitschaft zum Handeln in Verantwortung vor Gott und den Menschen, sowie vor mir selbst, die Verlebendigung der sieben Gaben im eigenen Leben und die bewußte Entscheidung zur Firmung, mit der die Annahme der Gabe des Geistes in der Firmung verbunden ist, zusammen. Gerade in der heutigen Zeit scheint es wichtiger denn je, daß junge Menschen in diesem Sinne "ja sagen" zur eigenen Firmung und sich damit - im Hinblick auf das eigene verantwortlich zu gestaltende Leben - den Gaben öffnen, die Gott uns ermöglicht durch das Sakrament der Firmung.
Ausblick
Ich persönlich denke, daß es wichtig wäre in jedem Jahr eine Firmvorbereitung im Kirchengemeindeverband durchzuführen, denn im Leben einer Gemeinde müßte stets erkennbar sein, daß sie sich um das "firm-werden" derjenigen sorgt, die dem Leben als Erwachsener im Glauben zusteuern. Dabei wird deutlicher als bisher darauf zu achten sein, daß die Firmvorbereitung auch die wesentlichen Feste des Kirchenjahres berücksichtigt und die Jugendlichen so eine Feierkultur erleben und deren Sinnhaftigkeit erkennen, damit sie diese später auch glaubwürdig leben können.
Gregor Ottersbach, PfrV
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(msp)